14. Januar 2010 DIE LINKE im Landtag Saarland

Klare Konzeption zur Schulstrukturreform notwendig – gleiche Bildungschancen sichern


Der Landtag wolle beschließen:

Schulschließungen, ein gescheitertes G8-Experiment auf dem Rücken von Schülern, Eltern und Lehrern, Oberstufengymnasien zu Lasten von Berufsschule und Gesamtschule, zu große Klassen, zu wenige Lehrerinnen und Lehrer - immer neue Experimente täuschen nicht über eine erfolglose Politik der vergangenen Jahre hinweg. Die Saarländerinnen und Saarländer haben bei der Landtagswahl für bessere Bildungschancen gestimmt. Daher ist das langfristige Ziel einer „Schule für Alle“ die richtige Antwort auf die Fehlentscheidungen der bisherigen CDU-Regierung.

Die demographische Entwicklung dokumentiert kontinuierlich rückläufige Schülerzahlen. Diese dürfen nicht zu Schulschließungen führen, sondern müssen als Chance begriffen werden, in Zeiten von Bildungsarmut möglichst günstige Konditionen für eine Verbesserung der Qualität von Bildung und Betreuung zu schaffen. Freie räumliche und personelle Kapazitäten sind für die Einrichtung kleinerer Klassen, für mehr individuelle Förderung, für neue pädagogische Konzepte und die Entwicklung echter Ganztagsschulen gemäß dem Elternwillen zu nutzen.

Damit längeres gemeinsames Lernen zum Bildungserfolg führt, müssen auch verbindliche Rahmenbedingungen geschaffen werden. Dazu gehört die konsequente Verringerung der Klassengrößen ebenso wie die Erhöhung der Zahl der Lehrkräfte und die Einführung echter Ganztagsschulen. Ein verschultes letztes Kindergartenjahr und das Anhängen eines fünften Grundschuljahres sind vor diesem Hintergrund nur unzureichende Antworten. Vielmehr sind Maßnahmen zu ergreifen, die ein längeres gemeinsames Lernen über Klasse vier hinaus wirksam fördern. Ein frühes Aussortieren führt zu zahlreichen individuellen Fehlentscheidungen und fördert soziale Ungleichheiten, wie wissenschaftliche Studien nachgewiesen haben. Dabei gilt es, das Prinzip der Auslese endlich durch das Prinzip gezielter individueller Förderung abzulösen.
Widersprüchliche Äußerungen der Jamaika-Koalitionäre zur künftigen Schulstruktur im Saarland sorgen für anhaltende öffentliche Verwirrung. Der unklare bildungspolitische Kurs der neuen Landesregierung ist den Betroffenen nicht länger zuzumuten.

Mithin ist die Vorlage einer tragfähigen Konzeption für eine echte Schulstrukturreform vonnöten.
Darüber hinaus bedarf es zur Bewältigung der drängenden bildungspolitischen Herausforderungen u. a. der Einleitung folgender konkreter Schritte:
• Sicherung des Erhalts von Schulstandorten durch Zulassung zeitlich begrenzter unterfrequentierter Klassen;
• Verbesserung der individuellen Förderung in kleinen Lerngruppen zur Sicherung der Chancengleichheit, insbesondere für Kinder aus bildungsarmen Verhältnissen, für Kinder mit Migrationshintergrund etc.;
• Prüfung der Einführung eines Modellprojekts „Sechsjährige Primarstufe“;
• Realisierung echter Ganztagsschulen als zentraler Beitrag für bessere und gerechtere Bildung;
• Initiative eines Bildungsbündnisses mit den Schulen, Schulträgern, Schülern und Eltern, Lehrern und Multiplikatoren in Zusammenarbeit mit Land und Kommunen zur Auflage einer langfristigen und regional spezifischen Schulentwicklungs- und -standorteplanung;
• Öffentlicher Dialog über Möglichkeiten der Zusammenführung verschiedener Schulformen unter einem Dach als eine Antwort auf den Schülerrückgang, um den Weg für eine „Schule für Alle“ zu ebnen.

B e g r ü n d u n g:
Erfolgt mündlich.