23. August 2012

Saarländisches Mindestlohngesetz

Der Landtag des Saarlandes wolle beschließen:

Artikel 1
Mindestlohngesetz für das Saarland (Landesmindestlohngesetz)

§ 1
Zweck des Gesetzes

In Umsetzung des Schutzauftrags des Artikels 43 Satz 2, des Artikels 45 Satz 1 und des Artikels 47 Satz 2 der Saarländischen Verfassung ist der Zweck dieses Gesetzes die Festlegung und Durchsetzung eines Mindestlohns für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nach Maßgabe der nachstehenden Vorschriften.

§ 2
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer
(1) Arbeitnehmerin oder Arbeitnehmer im Sinne dieses Gesetzes ist, wer sich durch einen privatrechtlichen Vertrag verpflichtet hat, in sozialversicherungspflichtiger Form oder als geringfügig Beschäftigter gegen Entgelt Dienste zu leisten, die in unselbständiger Arbeit im Inland zu erbringen sind.

(2) Als Arbeitnehmerinnen oder Arbeitnehmer gelten nicht Auszubildende, Umschülerinnen und Umschüler nach dem Berufsbildungsgesetz und Personen, die in Verfolgung ihres Ausbildungszieles eine praktische Tätigkeit nachweisen müssen.

§ 3
Mindestlohn für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer des Landes,
des Regionalverbandes Saarbrücken, der Landkreise, Städte und Gemeinden

Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern des Landes, des Regionalverbandes Saarbrücken, der Landkreise, Städte und Gemeinden sollen mindestens Ansprüche auf Zahlung des Mindestlohns eingeräumt werden.

§ 4
Mindestlohn für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer
öffentlicher Unternehmen und Einrichtungen

Das Saarland, der Regionalverband Saarbrücken, die Landkreise, Städte und Gemeinden stellen im Rahmen ihrer rechtlichen Zuständigkeiten und Befugnisse sicher, dass andere juristische Personen des öffentlichen und privaten Rechts ihren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern mindestens den Mindestlohn zahlen, soweit das Land, der Regionalverband Saarbrücken, die Landkreise, Städte oder Gemeinden sie einzeln oder gemeinsam durch Beteiligung oder auf sonstige Weise überwiegend finanzieren oder über ihre Leitung die Aufsicht ausüben oder mehr als die Hälfte der Mitglieder eines ihrer zur Geschäftsführung oder zur Aufsicht berufenen Organe bestimmt haben. Satz 1 gilt auch für juristische Personen des öffentlichen Rechts im Saarland, die sich durch Gebühren oder Beiträge finanzieren.

§ 5
Mindestlohn für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer
der Zuwendungsempfänger

(1) Das Land, der Regionalverband Saarbrücken, die Landkreise, Städte und Gemeinden gewähren Zuwendungen im Sinne von § 23 der Landeshaushaltsordnung nur, wenn sich die Empfänger verpflichten, ihren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern mindestens den Mindestlohn zu zahlen. Satz 1 gilt entsprechend für die Gewährung sonstiger staatlicher oder aus staatlichen Mitteln gewährten direkten oder indirekten Vorteile jeder Art, soweit es sich nicht um Sachleistungen oder Leistungen handelt, auf die der Empfänger einen dem Grund und der Höhe nach unmittelbar durch Rechtsvorschriften begründeten Anspruch hat. Die gewährende Stelle kann das Erfordernis eines Mindestlohns auf weitere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer erstrecken, um rechtlichen Gestaltungen zu begegnen, die geeignet sind, einer Umgehung des Mindestlohnerfordernisses nach den Sätzen 1 und 2 zu dienen.

(2) Absatz 1 gilt entsprechend, wenn Einrichtungen nach § 4 Zuwendungen oder andere Vorteile gewähren.

(3) Diese Vorschrift findet bei der Förderung aus Mitteln der Ausgleichsabgabe nach § 77 des Neunten Buches Sozialgesetzbuch keine Anwendung.

§ 6
Mindestlohn bei Entgeltvereinbarungen im Sozialrecht

Das Land, der Regionalverband Saarbrücken, die Landkreise, Städte und Gemeinden vereinbaren auch in Leistungserbringungs- und Versorgungsverträgen nach den Büchern des Sozialgesetzbuchs die Zahlung eines Mindestlohns an die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer des Leistungserbringers, soweit dies bundesgesetzlich nicht ausgeschlossen ist.

§ 7
Landesmindestlohnkommission

Die Landesregierung errichtet eine Kommission zur Festsetzung des Mindestlohns (Landesmindestlohnkommission), die aus einem vorsitzenden Mitglied und vier weiteren Mitgliedern besteht. Sie beruft das vorsitzende Mitglied im Benehmen mit den Spitzenorganisationen der Tarifparteien. Die Spitzenorganisationen der Tarifparteien schlagen zusätzlich je zwei Mitglieder aus den Kreisen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie der Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber vor. Die Kommission entscheidet mit einfacher Mehrheit.

§ 8
Festsetzung des Mindestlohns

(1) Die Landesregierung legt den Mindestlohn in jedem zweiten Jahr, jeweils zum 30. September, durch Rechtsverordnung fest, erstmals im Jahr 2013.

(2) Die Landesmindestlohnkommission legt der Landesregierung eine Empfehlung zur Beschlussfassung vor.

(3) Der Mindestlohn beläuft sich auf 10,- Euro (brutto) je Zeitstunde, so lange die Landesregierung keinen höheren Mindestlohn festlegt.

(4) Die Anpassung des Mindestlohns soll sich an der Lohn- und Einkommensentwicklung sowie an der Preissteigerung orientieren. Die Anpassung soll dem Ziel dienen, einer vollzeitbeschäftigten alleinstehenden Person den Lebensunterhalt durch Arbeitseinkommen zu sichern.

Artikel 2
Inkrafttreten

Dieses Gesetz tritt am Tag nach seiner Verkündung in Kraft.

B e g r ü n d u n g:
A. Allgemeines

In Deutschland ist der Niedriglohnsektor in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Das Saarland liegt diesbezüglich über dem Durchschnitt der westdeutschen Flächenländer.

Im Kalenderjahr 2011 arbeiteten laut Arbeitskammer des Saarlandes mehr als 58.000 saarländische Vollzeitbeschäftigte unter der Niedriglohnschwelle von 1.890 Euro brutto (vgl. AK-Fakten: Einkommen im Saarland, November 2011). Rund 15.000 Beschäftigte müssen ihr Einkommen durch ALG II aufstocken. Im Dienstleistungssektor bezieht fast jeder Dritte einen Niedriglohn, in Kleinbetrieben sind fast 60 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer Niedriglohnbezieher. Von dieser Entwicklung sind vor allem sind Frauen, gering Qualifizierte und Jüngere betroffen. (Ebd.)

Wenn immer mehr Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer so wenig verdienen, dass sie auf zusätzliche Sozialleistungen angewiesen sind, so entwertet dies die geleistete Arbeit und ist einer reichen Gesellschaft unwürdig. Dringend notwendig ist ein flächendeckender gesetzlicher Mindestlohn, mit dem garantiert wird, dass Menschen von ihrer Arbeit leben können. Entsprechende Regelungen gibt es bereits in 20 von 27 EU-Staaten.

Auch in der Bundesrepublik Deutschland sind mehrere Anläufe zur Einführung eines gesetzlichen Mindestlohnes unternommen worden, allerdings stets an den Mehrheitsverhältnissen im Deutschen Bundestag gescheitert. Bislang zeichnet sich keine Veränderung dieser Situation ab, die auf eine bundesgesetzliche Regelung in naher Zukunft schließen lässt.

In ihrem Koalitionsvertrag haben SPD und CDU im Saarland vereinbart, im Bundesrat alle Initiativen zu unterstützen, die eine Verbesserung des Status Quo hinsichtlich der Festlegung von Lohnuntergrenzen zur Folge haben. Hierzu gehöre auch der gesetzlich flächendeckende Mindestlohn. Angesichts der beschriebenen Mehrheitsverhältnisse auf Bundesebene ist eine politische Mehrheit für die Einführung eines Mindestlohns allerdings nicht in Sicht. Das Saarland steht somit in der Verantwortung, eigene Handlungsspielräume bestmöglich zu nutzen, um der Ausweitung von Niedrig- und Armutslöhnen etwas entgegen zu setzen.

Das Land Bremen hat im Juli 2012 gezeigt, dass Verbesserungen des Status Quo auch auf Landesebene angegangen werden können. Die Bremische Bürgerschaft hat ein Landesmindestlohngesetz beschlossen, welches zum 1. September 2012 in Kraft tritt. Es sieht einen Mindestlohn von 8,50 Euro vor, der für die Beschäftigten des Landes und der Kommunen, für öffentliche Unternehmen und Einrichtungen sowie für Unternehmen gilt, die von der Wirtschaftsförderung des Landes profitieren.

Dem Beispiel Bremens sollte das Saarland folgen, um dem Anspruch der Landesregierung gerecht zu werden, eine Verbesserung des Status Quo zu erreichen. Wenngleich ein Landesmindestlohngesetz kein Ersatz für eine bundesweite Regelung sein kann, wäre es ein Schritt in die richtige Richtung, der den ernsthaften Willen dokumentierte, alle politischen und rechtlichen Gestaltungsspielräume des Landes zu nutzen, um menschenwürdige Löhne durchzusetzen.

Der vorliegende Gesetzentwurf orientiert sich grundsätzlich am Mindestlohngesetz des Landes Bremen, wobei die Höhe des Mindestlohns im Saarland bei 10 Euro pro Stunde liegen soll, damit ein existenzsicherndes Einkommen und nach 45 Jahren sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung ein Rentenanspruch oberhalb der Sozialhilfe garantiert werden können. Auch ein Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde wäre zumin-dest ein erster Schritt in die richtige Richtung.

Dem Beschluss des vorliegenden Gesetzentwurfes muss in der Konsequenz eine entsprechende Änderung des Saarländischen Tariftreue- und Vergabegesetzes folgen, bei der ein Mindestlohn auch für die Vergabe öffentlicher Aufträge festzulegen ist. Die Koalition aus CDU und SPD im Saarland steht in der Verantwortung, zeitnah ihre Ankündigung aus der Koalitionsvereinbarung umzusetzen, wonach im Tariftreue- und Vergabegesetz eine Lohnuntergrenze festgelegt werden soll. DIE LINKE erachtet in diesem Zusammenhang ebenfalls einen Mindestlohn von 10 Euro pro Stunde als angemessen.

Die Verabschiedung eines Landesmindestlohngesetzes wäre ein wichtiger Schritt hin zu fairen Löhnen im Saarland. Es bedeutete nicht nur konkrete finanzielle und soziale Fortschritte für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Seine Umsetzung wäre zudem ein wichtiges Signal in der Debatte über die Einführung eines flächendeckenden, gesetzlichen Mindestlohns auf Bundesebene.

B. Im Einzelnen
Artikel 1 [Mindestlohngesetz für das Saarland (Landesmindestlohngesetz)]
zu § 1
Die Verfassung des Saarlandes fordert den Gesetzgeber auf, erforderliche Maßnahmen zu treffen, um „jedermann einen gerechten Anteil am Wirtschaftsertrag zu sichern und ihn vor Ausbeutung zu schützen“ (Artikel 43, Satz 2). Überdies werden der Schutz der menschlichen Arbeitskraft durch den Staat (vgl. Artikel 45, Satz 1) und eine Gestaltung der Arbeitsbedingungen dergestalt festgelegt, „dass sie die Existenz, die Würde, das Familienleben und die kulturellen Ansprüche des Arbeitnehmers sichern“ (Artikel 47, Satz 2). Zur Umsetzung dieses Verfassungsauftrages dient das vorliegende Gesetz.

zu § 2
Abs. 1 beschreibt den Anwendungsbereich des Gesetzes. Dabei wird vom allgemein üblichen Arbeitnehmerbegriff ausgegangen. Die gesetzliche Bestimmung über den Personenkreis der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Sinne dieses Gesetzes schafft für den Rechtsanwender Klarheit darüber, welche Beschäftigten vom Mindestlohnerfordernis umfasst sind.

Abs. 2 nimmt Auszubildende und Umschüler sowie Pflichtpraktikanten von dem Arbeitnehmerbegriff dieses Gesetzes aus, um Aus- und Weiterbildung zu ermöglichen: Die Ausbildungsvergütung ist keine Lohn- oder Gehaltszahlung, sondern soll neben einer Mindestvergütung für die erbrachte Leistung lediglich eine fühlbare Unterstützung für den Lebensunterhalt des Auszubildenden darstellen, der Anspruch auf ein existenzsicherndes Einkommen ist hiermit noch nicht verbunden. Hier steht nicht die Arbeitsleistung im Vordergrund, sondern die Qualifikation des Auszubildenden.

zu § 3
Diese Regelung stellt eine Selbstverpflichtung des Landes, des Regionalverbands Saarbrücken, der Landkreise, Städte und Gemeinden dar. Die Forderung des Gesetzgebers nach gerechter Bezahlung richtet sich nicht nur an Dritte, sondern wird auch gegenüber den eigenen Beschäftigten umgesetzt. Ein einklagbarer Anspruch der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer besteht nicht, es wird aber eine öffentlich-rechtliche Pflicht für das Land, den Regionalverband Saarbrücken, die Landkreise, Städte und Gemeinden festgeschrieben.

zu § 4
Mit der Bestimmung in Satz 1 verpflichtet das Gesetz das Land, den Regionalverband Saarbrücken, die Landkreise, Städte und Gemeinden, auch bei denen durch sie beherrschten juristischen Personen den Mindestlohn im Rahmen der ihnen zur Verfügung stehenden Möglichkeiten umzusetzen. Die Pflicht des Landes, des Regionalverbands Saarbrücken, der Landkreise, Städte und Gemeinden findet ihre Grenze, wo spezialgesetzliche Vorschriften oder Bundesrecht einer Einflussnahme entgegenstehen.

Satz 2 stellt klar, dass das Mindestlohngesetz auch auf öffentlich-rechtliche Körperschaften wie z.B. die Kammern Anwendung findet, die sich durch Beiträge oder Gebühren finanzieren.

zu § 5
Abs. 1 Satz 1 legt fest, dass Zuwendungen künftig nur noch an Zuwendungsempfänger gezahlt werden, die sich verpflichten, ihren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern einen Lohn zu zahlen, der mindestens die Höhe des nach diesem Gesetz festgesetzten Mindestlohnes beträgt. Empfänger sind jeweils die natürlichen oder juristischen Personen, an die die Zuwendungen gegeben werden. Die Verpflichtung ist dem Zuwendungsgeber gegenüber zu erklären.

Abs. 1 Satz 2 setzt auch für die Verschaffung weitere Vorteile, die aus öffentlichen Mitteln erwachsen, eine Mindestlohnerklärung voraus. Mit dieser Bestimmung soll die Mindestlohnzahlung auch zu einem Kriterium u.a. im Bereich der Wirtschaftsförderung gemacht werden.

Abs. 1 Satz 3 soll einer Umgehung der gesetzlichen Vorschriften durch die Einschaltung Dritter bzw. durch die Ausgründung von Gesellschaften begegnen. Durch diese Vorschrift kann die Stelle, die die Zuwendung vergibt, auch eine Mindestlohnerklärung für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer eines vom Zuwendungsnehmer beauftragten Dritten verlangen.

Abs. 2 überträgt die Pflichten aus Abs. 1 auch auf die in § 4 beschriebenen juristischen Personen.

Abs. 3 nimmt die Förderung aus der Ausgleichsabgabe aus dem Anwendungsbereich dieses Gesetzes aus. Inwieweit es sich bei dieser Förderung um eine Zuwendung handelt, ist umstritten. Ferner gibt es starke Argumente dafür, dass die Verteilungskriterien für die Förderung aus der Ausgleichsabgabe bundesrechtlich abschließend geregelt sind. Durch die ausdrückliche Anordnung der Ausnahme sollen Rechtsunsicherheiten vermieden werden.

zu § 6
In § 6 soll die Mindestlohnforderung auch Eingang in den Bereich der Entgelt- und Versorgungsverträge finden.

zu § 7
Mit der Schaffung einer Mindestlohnkommission soll die Debatte um die Weiterentwicklung der Lohnuntergrenze versachlicht und die gesellschaftliche Akzeptanz der Neufestsetzung erhöht werden. Durch die Einbindung von Vertreterinnen und Vertretern sowohl der Arbeitnehmer- wie auch der Arbeitgeberseite sollen der Sachverstand und die Beurteilungen beider Seiten Eingang in die Beratung finden. Durch die Berufung eines vorsitzenden Mitgliedes, welches im Benehmen mit allen Seiten auszuwählen ist, wird eine ausgewogene Berücksichtigung aller unterschiedlichen Sichtweisen bestmöglich gewährleistet.

zu § 8
Abs. 1 ermächtigt die Landesregierung durch Rechtsverordnung den Mindestlohn neu festzusetzen. Mit dieser Vorschrift soll eine dynamische Weiterentwicklung der Lohnuntergrenze ermöglicht werden, ohne dass der Gesetzgeber jede Änderung selbst vornehmen müsste. Durch die Übertragung auf den Verordnungsgeber und die Festlegung der Anpassungskriterien in Abs. 4 bleibt aber die Rückbeziehung zum Gesetz erhalten.

Abs. 2 regelt das Verfahren zwischen Landesmindestlohnkommission und Landesregierung.

Abs. 3 regelt die Erstfestsetzung des Mindestlohnes. Als Ausdruck einer grundsätzlichen gesetzgeberischen Wertentscheidung ist eine Unterschreitung der Erstfestsetzung durch den Verordnungsgeber nicht zulässig. Entstünde aus den allgemeinen ökonomischen und sozialen Entwicklungen die Notwendigkeit, die Höhe des Mindestlohnes unter den Betrag von 10 Euro/ Stunde abzusenken, wäre hierfür ein Tätigwerden des Gesetzgebers erforderlich. Dies unterstreicht noch einmal ausdrücklich den Charakter des Mindestlohnes als gesetzliche Lohnuntergrenze.

In Abs. 4 werden die Kriterien beschrieben, an denen sich die Anpassung des Mindestlohnes zu orientieren hat. Die Kriterien binden sowohl die Kommission bei ihrer Empfehlung wie auch die Landesregierung beim Erlass der Verordnung.

Artikel 2 (Inkrafttreten)
Die Vorschrift regelt das Inkrafttreten des Gesetzes. Die in dem Gesetz festgelegten Pflichten finden nach allgemeinen Rechtsgrundsätzen erst mit dem Inkrafttreten des Gesetzes Anwendung. Bereits ergangene Bescheide und abgeschlossene Verträge werden in ihrer Gültigkeit durch das Gesetz nicht berührt.