2. Dezember 2013

Oskar Lafontaine: Evangelii gaudium spiegelt Ziele und Inhalte der LINKEN wider

Zum jüngsten Apostolischen Schreiben des Papstes erklärt Oskar Lafontaine: „Papst Franziskus hat in seinem ersten Apostolischen Schreiben Positionen zur weltweit herrschenden Wirtschaftsordnung bezogen, die in ihrer Klarheit und Weitsicht nicht hoch genug bewertet werden können. Die folgenden Sätze sind nur ein Auszug: „Diese Wirtschaft tötet. Es ist unglaublich, dass es kein Aufsehen erregt, wenn ein alter Mann, der gezwungen ist, auf der Straße zu leben, erfriert, während eine Baisse um zwei Punkte an der Börse Schlagzeilen macht.“ „Die Anbetung des antiken goldenen Kalbs (vgl. Ex 32,1-35) hat eine neue und erbarmungslose Form gefunden im Fetischismus des Geldes und in der Diktatur einer Wirtschaft ohne Gesicht und ohne ein wirklich menschliches Ziel.“ „Während die Einkommen einiger weniger exponentiell steigen, sind die der Mehrheit immer weiter entfernt vom Wohlstand dieser glücklichen Minderheit. Dieses Ungleichgewicht geht auf Ideologien zurück, die die absolute Autonomie der Märkte und die Finanzspekulation verteidigen. Darum bestreiten sie das Kontrollrecht der Staaten, die beauftragt sind, über den Schutz des Gemeinwohls zu wachen. Es entsteht eine neue, unsichtbare, manchmal virtuelle Tyrannei, die einseitig und unerbittlich ihre Gesetze und ihre Regeln aufzwingt.“ Lafontaine: „In Deutschland vertritt allein die Partei DIE LINKE politische Positionen und Ziele, in denen sich diese grundsätzliche Kritik unserer Wirtschaftsordnung widerspiegelt. Der Papst sieht ganz offensichtlich, dass die schweren sozialen Schäden und die immer weiter zunehmende Ungleichheit in der Welt ihre Wurzeln im System unserer Wirtschaftsordnung selbst haben. Es handelt sich eben nicht einfach nur um einzelne Auswüchse und Übertreibungen, die mit ein wenig gutem Willen rückgängig gemacht werden könnten. Damit stellt der Papst die Systemfrage. Keine andere Partei in Deutschland hat neben der LINKEN den Mut und die Einsicht bewiesen, dies zu tun. Das Apostolische Schreiben des Papstes Franziskus bestätigt den bekannten Satz des früheren NDR-Intendanten Adolf Grimme: „Ein Sozialist kann Christ sein, ein Christ muss Sozialist sein.““ Lafontaine weiter: „ Die Religion der Nächstenliebe verträgt sich nicht mit Ausgrenzung und Ausbeutung, mit Leiharbeit und Werkverträgen, mit Hungerlöhnen und Hungerrenten.“