30. Oktober 2014

Heike Kugler: Integration: Wer falsch spart, muss später mehr draufzahlen - DIE LINKE fordert finanzielle Stärkung der Kommunen und mehr Integrationslotsen

Vor dem Hintergrund der steigenden Anzahl der Flüchtlinge im Saarland auf bis zu 300 neue Asylbewerber pro Monat erklärt Heike Kugler, sozialpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Saarländischen Landtag:

„Immer wieder gibt es Kritik an der Landesaufnahmestelle in Lebach, Kritik durch die Kirchen, Sozialverbände, aber auch den Flüchtlingsrat und die Aktion 3. Welt Saar. Es fehlen in vielen Wohnungen sanitäre Anlagen, die bei Tag und Nacht zugänglich sind. Hinzu kommt, dass die Bewohner mit Essenspaketen und Sachleistungen bevormundet werden. Ein selbstbestimmtes Leben der Flüchtlinge ist somit kaum möglich. Damit die Flüchtlinge die überfüllte Landesaufnahmestelle in Lebach daher schnellstmöglich verlassen und sich ein selbständiges Leben in einer eigenen Wohnung aufbauen können, brauchen sie Unterstützung und die Kommunen gleichzeitig finanzielle Hilfen des Landes. Wir müssen den Menschen, die aus ihrer Heimat fliehen mussten, den Anfang im Saarland erleichtern und keine bürokratischen Hürden aufbauen." Die Bereitstellung von zusätzlichen Mitteln durch das Land sei daher dringend erforderlich, um die ohnehin schon finanziell gebeutelten Kommunen bei der Unterbringung der Flüchtlinge und deren Betreuung zu entlasten. Hier sei auch der Bund gefordert.

Kugler weiter: „Nach wie vor können viel zu wenige Flüchtlinge aus dem Lager Lebach auf die Kommunen verteilt werden. Die vorgesehenen Aufnahmepauschalen, die das Land für die Städte und Gemeinden vorgesehen hat, reichen bei weitem nicht aus, um die Kosten einer dezentralen Unterbringung zu decken. Besonderes Augenmerk sollte auf allein stehende Mütter mit Kindern gelegt werden. Sie müssten besonders schnell in den Kommunen integriert werden. Unsere Mitbürgerinnen und Mitbürger haben in der Vergangenheit bereits tatkräftig Flüchtlinge unterstützt und durch großes Engagement gezeigt, dass Hilfe und Gastfreundschaft die Integration erheblich erleichtern. Eine Integration gerade auch von Kindern in Vereine und Verbände wird an vielen Orten unterstützt. Die Verzahnung der einzelnen Stellen, die einen reibungslosen Übergang in die Kommunen ermöglicht, ist noch nicht optimal.“

 

Ein besonderes Augenmerk müsse auch auf die medizinische Versorgung gelegt werden. Gerade bei dieser sei die Hilfe durch den Bund und das Land dringend notwendig, denn die hier ankommenden Flüchtlinge hätten häufig dramatische Erlebnisse hinter sich, die noch nicht einmal ansatzweise verarbeitet worden seien. Kugler weiter: "Integration ist nicht zum Nulltarif zu haben, sie bringt aber viele Chancen, gerade durch die überwiegend jungen Menschen, die hier bei uns Hilfe suchen."

Dass landesweit derzeit nur fünf Integrationslotsen im Saarland eingesetzt sind, reiche bei weitem nicht aus, so Kugler. Ein Betreuungsschlüssel, etwa ein Integrationslotse auf 50 Asylanten, sei hier ein sinnvoller Ansatz. "Daher begrüßen wir, dass nun drei weitere Integrationshelfer beim DRK eingesetzt werden sollen. Ein guter Start ermöglicht eine schnelle Integration und verhindert Spätkosten. Denn es kann nicht von traumatisierten Flüchtlingen gefordert werden, sich um Integration zu bemühen, um andererseits an den notwendigen Personal- und Sachmitteln zu sparen.“