16. September 2016

Prof. Heinz Bierbaum: Arbeitszeit-Verkürzung für alle statt Teilzeit-Falle und vorprogrammierte Altersarmut für viele

Nachdem laut einer Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung heute in Deutschland deutlich weniger Arbeitnehmer Vollzeit arbeiten als kurz nach der Wiedervereinigung, dafür die Zahl der Teilzeit-Stellen erheblich gestiegen ist, erneuert die Linksfraktion im Saarländischen Landtag ihre Forderung nach einer allgemeinen Arbeitszeit-Verkürzung bei vollem Lohnausgleich. Der wirtschafts- und arbeitsmarktpolitische Sprecher Prof. Heinz Bierbaum erklärt: „Es ist verständlich, dass viele Menschen etwas kürzere Erwerbs-Arbeitszeiten anstreben, damit sie mehr Zeit für Familie und Freunde sowie soziales, kulturelles oder sportliches Engagement haben. Wenn der Lohn einer Teilzeit-Stelle allerdings kaum zum Leben reicht, wenn vielen Teilzeit-Jobbern im Alter nur eine Rente auf Grundsicherungs-Niveau winkt und wenn viele nur deshalb Teilzeit arbeiten, weil sie keinen Vollzeit-Job finden können, gibt es ein erhebliches Problem. Wir erleben eine Spreizung des Arbeitsmarktes: Auf der einen Seite arbeiten Vollzeit-Beschäftigte im Schnitt mit 40,5 Stunden die Woche länger als vor 20 Jahren und länger als tariflich vereinbart und die Zahl der Überstunden wächst immer weiter an. Auf der anderen Seite haben wir einen im europäischen Vergleich besonders großen Teilzeit-Sektor, darunter auch viele, die gerne mehr und länger arbeiten würden. Und dann gibt es die Millionen, die gern arbeiten würden, aber gar keine Stelle bekommen. Dieses Drei-Klassen-System auf dem Arbeitsmarkt  kommt den Arbeitgebern sehr entgegen, da sie so die freie Auswahl haben und die Beschäftigten aufgrund des steigenden Drucks und der Abstiegsängste sich immer weniger trauen, sich zu organisieren und faire Entlohnung und gute Arbeitsbedingungen einzufordern. Eine generelle Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich würde helfen. Würden Vollzeitbeschäftigte in Deutschland nur drei Stunden weniger in der Woche arbeiten, könnten über zwei Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen werden, was den Staat bei den Sozialleistungen entlasten und gleichzeitig zusätzliche Steuereinnahmen bringen würde. Wir streben eine 35-Stundenwoche an, längerfristig ist auch eine 30 Stunden-Woche denkbar. Alle Arbeitnehmer sollen mehr Zeit für Familie, Freunde und ehrenamtliches Engagement haben, aber zu fairen Bedingungen und auskömmlichen Löhnen.“