8. Januar 2018

Barbara Spaniol: Bildungsminister darf Probleme an den Schulen durch wachsende Armut nicht kleinreden

DIE LINKE im Saarländischen Landtag fordert die Landesregierung auf, die Situation an den Grund- und Gemeinschaftsschulen im Land endlich deutlich zu verbessern. Die bildungspolitische Sprecherin Barbara Spaniol erklärt: „Es ist bedauerlich, dass der Bildungsminister behauptet, die Klagen der Lehrerinnen und Lehrer über eine steigende Gewaltbereitschaft an den Schulen, erhebliche Sprachprobleme und fehlende personelle, materielle und räumliche Voraussetzungen für eine gelungene Inklusion hätten ‚nichts mit unserem Bildungssystem zu tun, sondern mit Sozialpolitik‘. Chancen für alle auf sozialen Aufstieg durch Bildung zu schaffen, unabhängig vom Geldbeutel der Eltern, der Herkunft oder dem Geschlecht, ist schließlich eine Art Pflicht-Aufgabe für ein gerechtes Bildungssystem. Und der SPD-Vordenker Peter Glotz wusste: ‚Bildung ist die eigentliche soziale Frage des 21. Jahrhunderts.‘ Eine erhebliche Verantwortung für die wachsende Armut und die damit verbundenen Probleme, die sich auch an den Schulen niederschlagen, trägt die Agenda-Politik der letzten Jahre. Wir brauchen deshalb natürlich eine andere Wirtschafts- und Sozialpolitik, aber eben auch eine andere Bildungspolitik. Das heißt: Gerade an den Schulen, an denen besonders viele Schülerinnen und Schüler aus einkommensschwachen Elternhäusern und besonders viele Flüchtlingskinder sind, den Grund- und Gemeinschaftsschulen, muss es die besten Voraussetzungen geben, also mehr Lehrerinnen und Lehrer, mehr Sozialarbeiter und Psychologen, mehr eigenständige Oberstufen. Es ist eine große Herausforderung der Bildungspolitik, wenn rund 80 Prozent der Schülerinnen und Schüler einer Schule erst sprachlich und kulturell integriert werden müssen. Dafür muss auch entsprechend Geld und Personal bereitgestellt werden.“ Das Volksbegehren für ein neunjähriges Gymnasium (G9) sei vor allem an den im bundesweiten Vergleich besonders schlechten Regelungen gescheitert, die eine direkte Demokratie eher verhindern. Viele Eltern, Schülerinnen und Schüler wünschten sich aber ganz offensichtlich eine entsprechende Wahlmöglichkeit, darum sollte das Thema G9 auf der Tagesordnung bleiben.