12. März 2018

Oskar Lafontaine zum Tode Arnfried Astels

Zum Tode Arnfried Astels erklärt Oskar Lafontaine: „Das Saarland verliert mit Arnfried Astel eine herausragende Persönlichkeit und einen kritischen Geist, der die deutsche Literaturszene sehr beeinflusst hat. Ein unbequemer Intellektueller, der sich stets einmischte und dabei Gehör fand. Sein Satz: ‚Literatur ist das, was du gegen den Rat aller Leute schreibst‘ war Programm. Der Lyriker Arnfried Astel erhielt im Jahr 2000 den Kunstpreis des Saarlandes. Er bevorzugte die aphoristische Versform. Schlagfertig und treffsicher beherrschte er das Spiel mit den Wörtern und ihrer Vieldeutigkeit. So gelang es ihm, Sprech- und Denkgewohnheiten aufzubrechen. Er brachte seine Leser zum ‚Sinnieren‘, indem er aus den Wörtern einen anderen, einen zweiten oder dritten Sinn hervorhob. Im privaten Gespräch hörte er schweigsam zu, redete mit Bedacht und eher leiser Stimme. Ein Leisetreter hingegen war er nicht. Er dachte politisch und handelte politisch. Wenn er kämpfen musste, kämpfte er. Seine Auseinandersetzung mit dem Intendanten des Saarländischen Rundfunks Mai bewegte in den Siebziger Jahren die gesamte Republik. Der konservative Intendant hatte Anstoß daran genommen, dass Astel als Leiter der Literaturabteilung auch andersdenkende, linke Autoren in seiner Sendung zu Wort kommen ließ. Ihm wurde gekündigt, er ging vor Gericht und gewann, von Vielen im ganzen Land unterstützt. Am 13. April sollte ihm auf dem Halberg der Professorentitel verliehen werden, gleichsam eine späte Wiedergutmachung. Jetzt ist er gestorben. Unsere Gedanken sind bei seinen Angehörigen und Freunden.“