2. August 2018

Astrid Schramm und Jochen Flackus: Einfache Strukturen, attraktive Preisstruktur und deutlicher Ausbau: ÖPNV im Saarland attraktiver machen

DIE LINKE im Saarländischen Landtag fordert einen grundlegenden Umbau des Öffentlichen Nahverkehrs im Saarland. Statt zahlreicher verschiedener Aufgabenträger, die wiederum insgesamt 17 private sowie öffentliche Verkehrsunternehmen mit der Durchführung des ÖPNV beauftragen, sollte der ÖPNV künftig von einem Verkehrsunternehmen in öffentlicher Hand durchgeführt werden. „Ein Land, ein Betrieb, das wäre ein deutlicher Fortschritt“, so Astrid Schramm, die stellvertretende Fraktionsvorsitzende. „Das Land sollte künftig Aufgabenträger sowohl für den Schienen-Nahverkehr als auch für Busse und Straßenbahnen werden und die Planung, Vergabe und Genehmigungskompetenzen beim Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Verkehr gebündelt werden. Dann könnte es eine klare landesweite Planung für die Weiterentwicklung des ÖPNV geben. Denn ein Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs in unserem Land muss das zentrale Ziel sein. Zahlreiche Studien belegen, dass ein gut ausgebautes und getaktetes ÖPNV-System zwar Geld kostet, gesamtgesellschaftlich aber günstiger ist als der jetzige und zunehmende Autoverkehr und seine Folgen. Wir brauchen gerade im ländlichen Raum mehr Bus- und Bahnverbindungen. Solange die besonders stark verschuldeten Kommunen einen großen Teil der Kosten für den ÖPNV stemmen müssen, ist an diesen nötigen Ausbau aber nicht zu denken. Statt im Kleinklein zu verbleiben, sollte daher eine landesweite Lösung angestrebt werden.“

„Es wird höchste Zeit, dass nicht mehr länger nur der Mangel verwaltet, sondern wieder in neue Strecken und Ideen investiert wird. Das Land sollte daher auch innovative Unternehmen im Verkehrs-Bereich stärker unterstützen“, so Jochen Flackus, der verkehrspolitische Sprecher. Verbesserungen seien auch für die Beschäftigten im Nahverkehr überfällig. „Solange die Arbeitsbedingungen für die Busfahrer und das Bahnpersonal so bleiben, wird es schwer, ausreichend Personal zu finden“, so Flackus weiter. „Schichten von zwölf Stunden, von denen nur sechs bezahlt werden, weil nur Lenkzeiten berücksichtigt werden, sind unzumutbar. Zumal die Bezahlung insgesamt ohnehin vergleichsweise bescheiden ist. Dazu kommen wachsender Druck und eine kaum vorhandene Planbarkeit der Schichten. Hier muss sich einiges ändern.“


Damit der ÖPNV im Saarland attraktiver wird, müsste neben einem Ausbau auch an einem besseren Preissystem gearbeitet werden. „Die derzeitige Wabenstruktur ist zu kleinteilig, unübersichtlich und für viele Fahrgäste unnötig teuer“, so Schramm. „Die Fahrpreise sind in den letzten Jahren immer weiter erhöht worden und schrecken viele mögliche Kunden ab. Der Anteil der Berufstätigen, der im Saarland den ÖPNV auf dem Weg zur Arbeit nutzt, ist nur halb so hoch wie bundesweit, das Land liegt bei Bus und Bahn deutlich zurück. Deshalb sollten einfachere Strukturen und preiswertere Angebote her.“


Jochen Flackus ergänzt: „Bundesweit gibt es bereits verschiedene Modelle für einen ticketfreien Nahverkehr. Das wäre sicher die beste Lösung, um mehr Menschen für einen Umstieg auf Bus und Bahn zu gewinnen, aber das Saarland ist bei diesen Projekten bisher leider außen vor. In einem ersten Schritt wäre aber schon viel getan, wenn alle Busse und Bahnen samstags für alle kostenfrei fahren würden, wie das in Luxemburg der Fall ist. Dann könnte man auch das große Potential erkennen, dass der öffentliche Nahverkehr im Saarland eigentlich hat – wenn die Rahmenbedingungen stimmen.“