30. Juni 2020

Barbara Spaniol: Land muss Online-Lernangebote erheblich verbessern und ausbauen, Bildungsungleichheit bekämpfen, Teilhabemöglichkeiten von Schülerinnen und Schülern aus einkommensschwachen Haushalten verbessern

Nachdem eine Umfrage der Lan­des­el­tern­in­itia­ti­ve für Bil­dung zu dem Ergebnis kommt, dass viele der befragten Eltern sich oder ihr Kind mit der Be­schu­lung zuhause über­for­dert sieht und eine Umfrage der Gewerkschaft GEW ergibt, dass in der Corona-Krise 40 Prozent der Lehrkräfte die digitalen Lernplattformen nicht genutzt haben, 40 Prozent auch keine dienstliche E­-Mail-­Adresse haben, und dass viele den Eindruck haben, dass die soziale Komponente außer Acht gelassen wurde, fordert die Linksfraktion im Saarländischen Landtag eine deutliche Verbesserung der Online-Lernangebote und insbesondere der Teilhabemöglichkeiten von Schülerinnen und Schülern aus einkommensschwächeren Haushalten. Die bildungspolitische Sprecherin Barbara Spaniol: „Wer Eltern mit schmalem Geldbeutel hat, der hat oftmals keinen eigenen PC oder ausreichend Datenvolumen und oft auch keinen Rückzugsraum. Wer ohnehin benachteiligt und sich weder kostenpflichtige Online-Lernangebote noch private Nachhilfe leisten kann, dem hilft es wenig, nur Material und eine anschließende Korrektur zugeschickt zu bekommen. Wer mit dem Lernstoff ohnehin Schwierigkeiten hat oder die deutsche Sprache kaum beherrscht, dem nutzt es nichts, nur trocken irgendwelche Stoffsammlungen und Fragen zu erhalten, der muss auch individuell angesprochen werden. Direkte Bildung, Erziehung und Betreuung dürfen nicht auf der Strecke bleiben. Die Digitalisierung macht schon vieles möglich, von direkter Ansprache per Video- und Textchat oder gemeinsamen Online-Lerngruppen bis hin zu interaktiven Lernvideos und -spielen. Voraussetzung dafür ist aber, dass auch wirklich jede Schülerin und jeder Schüler Zugang hat – also etwa die nötigen leistungsfähigen Endgeräte, den entsprechenden schnellen Internetanschluss mit ausreichend Datenvolumen – und dass die Lehrkräfte sowohl über die technischen Mittel als auch über die Kompetenzen verfügen, die neuen Technologien zu nutzen und die Kinder und Jugendlichen damit anzusprechen und zu betreuen. Hier hakt es noch erheblich. Deshalb muss auch mit Blick auf eine mögliche zweite Corona-Welle in den Ausbau der Online-Angebote, der Ausstattung und der Schulung der Lehrkräfte investiert werden. Die Schulschließungen und das Beschulen von Zuhause aus haben die vorhandene Bildungsungleichheit noch verschärft, da Eltern aus nicht-akademischen Haushalten natürlich weniger helfen können. Viele einkommensschwache Familien wurden auch von der Umfrage nicht erreicht, das heißt, dass die Ungleichheit sogar noch größer sein dürfte.“