28. März 2019

Dennis Lander: Unwissenschaftliche und wirklichkeitsferne Drogenpolitik beenden

„Das Saarland hat weniger ein Amphetamin-Problem als vielmehr das Problem einer völlig veralteten, unwissenschaftlichen Drogenpolitik und eines wachsenden Leistungsdrucks in der Gesellschaft.“ Mit diesen Worten reagiert Dennis Lander, der drogenpolitische Sprecher der Linksfraktion im Saarländischen Landtag, auf erhöhte Amphetamin-Werte im saarländischen Abwasser und entsprechende Äußerungen von Gesundheits-Staatssekretär Stephan Kolling. „Auch die Untersuchung im Auftrag der Landesregierung kann kaum Informationen über Konsumentinnen und Konsumenten, ihre Anzahl und das Ausmaß des Konsums geben. Die Zahlen sagen nichts darüber aus, ob es sich bei den Stoffen um illegale Substanzen oder verschriebene Medikamente handelt. Es gibt bei solchen Untersuchungen Messungenauigkeiten und auch der alternative Drogenbericht warnt davor, dass bei Abwasser-Untersuchungen ‚nicht abschließend geklärt werden‘ kann, ‚ob die aufgefundenen Substanzen wirklich konsumiert wurden, da Metaboliten auch durch andere chemische Prozesse, außerhalb des menschlichen Stoffwechsels, produziert werden können‘.

Die Landesregierung ignoriert auch, dass gerade der Konsum von Amphetaminen einiges mit dem Leistungsdruck und dem Anspruchsdenken zu tun hat. Zahlreiche Studien belegen, dass der wachsende Druck immer mehr Menschen – von Studierenden bis zu Managern – zu Amphetaminen greifen lässt. Eine vorausschauende Drogenpolitik darf die Ursachen für den Konsum nicht außer Acht lassen. Aber die Landesregierung weigert sich ja ohnehin, ihre Politik auf wissenschaftliche Fakten aufzubauen, sondern setzt stattdessen weiterhin auf alte Vorurteile und eine Kriminalisierung der Konsumenten. Da aber die Politik der harten Verbote den Konsum nicht senken konnte, muss stattdessen die Prävention gestärkt und dabei auch über eine Substanzanalyse von Betäubungsmitteln (Drug-Checking) nachgedacht werden, wie es in Großbritannien, Österreich, den Niederlanden oder Belgien längst üblich ist.“