1. Juli 2015

Oskar Lafontaine: Deutsch-französische Beziehung braucht frischen Wind

Vor dem Hintergrund der aktuellen Umfrage im Auftrag des Deutsch-Französischen-Journalistenpreises fordert Oskar Lafontaine frischen Wind in den Beziehungen beider Staaten und eine intensivere Zusammenarbeit. „Deutsche und Franzosen sind offenbar weiter als ihre Regierungen“, so Lafontaine. „Sie wünschen sich eine stärkere Zusammenarbeit über die Grenzen hinweg, während Frau Merkel und Monsieur Hollande mit der deutsch-französischen Freundschaft wenig anzufangen wissen. Der ehemalige französische Kulturminister Jack Lang hat es vor ein paar Jahren auf den Punkt gebracht: ‚Tatsächlich geht es darum, das besondere Verhältnis zwischen unseren beiden Nationen mit frischem Enthusiasmus zu erfüllen, mit handfesten Projekten. Wir brauchen ehrgeizige Ziele, die beide Gesellschaften noch enger aneinanderbinden. Dafür bedarf es eines Zeitplans über zwei, drei oder fünf Jahre und darüber hinaus vielleicht auch neuer, origineller Institutionen.‘ Frischer Wind in der deutsch-französischen Beziehung wäre wünschenswert. Langs damaliger Vorschlag, der deutschen Kanzlerin einen Franzosen als Berater zur Seite zu stellen und dem französischen Präsidenten einen deutschen Berater, hat seine Vorteile. So könnten konkrete Verbesserungen und neue Projekte koordiniert und zur ‚Chefsache‘ gemacht werden. Es stimmt zuversichtlich, dass eine große Mehrheit der Franzosen die Kürzung des Deutschunterrichts in Frankreich ablehnt. Freunde müssen die Sprache des jeweils anderen beherrschen. Wir im Saarland sollten Vorreiter der grenzüberschreitenden Partnerschaft sein, aber auch hier sind gemeinsame Projekte und Planungen derzeit Fehlanzeige. Wir brauchen eine bessere öffentliche Nahverkehrs-Verbindung zwischen dem Saarland und Lothringen und einen Ausbau der Zweisprachigkeit. Es wäre auch zu begrüßen, wenn sich Frankreich am erfolgreichen Schengen-Lyzeum in Perl beteiligen würde, denn dort leben die Schülerinnen und Schüler ganz selbstverständlich im Alltag das, was Politiker in Sonntagsreden Völkerverständigung nennen.“