20. März 2015

Oskar Lafontaine: Teilzeit- und Billigjob-Boom statt Jobwunder

„Von Jobwunder und einem gut aufgestellten Deutschland kann keine Rede sein, wenn 3,2 Millionen Menschen nur für weniger als 15 Wochenstunden Arbeit finden und aus dem Niedriglohn-Sektor kaum herauskommen. Die Agenda-Politik der letzten Jahre ist eben kein Erfolg, wenn drei Viertel des Job-Zuwachses auf Teilzeit-Beschäftigung zurückzuführen ist und mehr als die Hälfte der Betroffenen gern mehr arbeiten würde.“ Mit diesen Worten reagiert Oskar Lafontaine auf neueste Zahlen der Arbeitsagentur und der Bundesregierung nach einer Anfrage der Grünen. „Ganz offensichtlich boomen in Deutschland seit den Hartz-Gesetzen vor allem Billig- und Teilzeitjobs. Damit ist der weitere Anstieg der Altersarmut vorprogrammiert. Nötig ist daher ein gesetzlicher flächendeckender Mindestlohn ohne Ausnahmen und in einer Höhe, die sowohl im Arbeitsleben als auch im Alter wirksam vor Armut schützt – zurzeit wären das mindestens zehn Euro die Stunde. Es ist erschreckend, dass im vergangenen Jahr mindestens drei Prozent aller saarländischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer weniger als 8,50 Euro pro Stunde verdient haben und rund zwölf Prozent der saarländischen Firmen mindestens einen dieser Arbeitnehmer zu solchen Löhnen beschäftigt haben. Die Zahl derer, die unter zehn Euro die Stunde verdienen und damit im Alter höchstwahrscheinlich auf Grundsicherung angewiesen sein werden, ist deutlich höher. Dies muss empören.“ Die saarländische Landesregierung fordert Lafontaine auf, sich deutlich stärker für die Ansiedlung neuer und den Erhalt bestehender Betriebe im Land und damit für zukunftsfeste Jobs einzusetzen. Nötig sei außerdem eine Abschaffung von Hartz IV, da sich der Zwang für Arbeitslose, jede Stelle anzunehmen, egal wie sie bezahlt wird, zu einer Rutschbahn der Löhne entwickelt habe.