21. September 2014

Prof. Heinz Bierbaum: Situation Jugendlicher auf dem Saar-Arbeitsmarkt ist erschreckend

Fast die Hälfte aller Jugendlichen im Saarland arbeitet im Niedriglohnbereich (46,1 Prozent der Arbeitnehmer im Alter von 18 bis unter 25 Jahren). Insgesamt sind junge Saarländerinnen und Saarländer deutlich häufiger von Leiharbeit, Niedriglöhnen und prekären Beschäftigungsverhältnissen betroffen, als andere Altersgruppen. Das belegt eine Antwort der Landesregierung auf eine Anfrage des arbeitsmarktpolitischen Sprechers der Linksfraktion im Saarländischen Landtag, Prof. Heinz Bierbaum.

So ist fast ein Drittel aller arbeitenden Jugendlichen im Land nur befristet beschäftigt (10.000 von 29.000 Arbeitnehmern im Alter von 15 bis 24 Jahren). Die Anzahl der geringfügig beschäftigten Jugendlichen hat sich in den vergangenen zehn Jahren nahezu verdoppelt auf 12.083 – einen derartigen Anstieg  gab es in keiner anderen Altersgruppe. Jugendliche im Saarland werden auch rund ein Drittel schlechter bezahlt als ältere Arbeitnehmer. (Im Schnitt lag der Brutto-Verdienst der saarländischen Arbeitnehmer im Jahr 2012 bei 3001 Euro, bei Jugendlichen bei 2112 Euro, das sind 30 Prozentpunkte weniger. Auch viele Auszubildende werden keinesfalls existenzsichernd bezahlt, beispielsweise im Friseurhandwerk (469 Euro), im Bäckerhandwerk (550 Euro) und im Maler- und Lackiererhandwerk (558 Euro). Gleichzeitig sinkt die Anzahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge während die Arbeitslosenquote der Jugendlichen im Land steigt.

Dazu erklärt Prof. Heinz Bierbaum: „Diese Zahlen sind erschreckend. Sie zeigen, dass im Saarland einiges im Argen liegt. Wer junge Menschen schlechter bezahlt oder zu miserablen Bedingungen beschäftigt, der muss sich nicht wundern, wenn vor allem die gut ausgebildeten abwandern. Jugendliche sind unsere Zukunft - Jugendliche brauchen dafür aber auch Zukunftsperspektiven. Es ist schlicht nicht hinnehmbar, dass die Zukunft der Arbeitsverhältnisse in unserem Land offenbar verstärkt in Billiglöhnen, Zeitverträgen und Leiharbeit liegen soll. Trotz dieser erschreckenden Zahlen verteidigt die Landesregierung dann auch noch die unverständlichen Ausnahmeregelungen beim Mindestlohn, so dass Beschäftigte unter 18 Jahren außen vor bleiben. Wer diese Daten kennt und trotzdem auf ein ‚Weiter so‘ setzt, der hat nichts begriffen. Wir brauchen faire Löhne und gute Arbeitsbedingungen für alle. Das heißt: Verbot der Leiharbeit und ein gesetzlicher und armutsfester Mindestlohn ohne Ausnahmen. Diese Zahlen belegen aber auch erneut, dass im Saarland zukunftssichere Vollzeit-Arbeitsplätze und -Ausbildungsplätze fehlen.“