24. Mai 2011

Filmarchivierung im Saarland

Sammeln, Sichern, Sichten, Sehen.

Das Thema einer öffentlichen und wissenschaftlich fundierten Filmdokumentation und -archivierung gewinnt immer mehr an Bedeutung. Denn die audiovisuellen Medien sind neben Printmedien, Bildmaterialien und Hörfunk-/Hörspielaufnahmen (in der Vorlage werden alle Arten der Erzeugnisse pauschal als Film bezeichnet) für die Öffentlichkeit von wachsendem gesellschaftlichem, historischem und kulturellem Interesse und sollten aus diesem Grunde möglichst vollständig archiviert und erhalten werden. Filme auf den verschiedenen Datenträger für die Nachwelt sichern und die Sorge um die Zukunft der Bilder- und Filmschätze des Landes zu tragen, ist eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe. Austausch von Informationen über die Entwicklung der Filmarchivierung und Filmrestaurierung, der Weitergabe von Informationen an die von ihnen repräsentierten Einrichtungen, die Probleme der Konservierung von Filmkopien, Videobändern und anderen Trägermaterialien in den Sammlungen und Archiven im Saarland müssen organisiert und ausgebaut werden. Darüber hinaus muss die Öffentlichkeit sensibilisiert werden für die Problematik der Vergänglichkeit von filmischen Werken und die Notwendigkeit ihrer Erhaltung als nationales und regionales Kulturgut. Das zielgerichtete Sammeln und die sachgerechte Lagerung von Bildmaterial, die einen bedeutenden Teil des kulturellen Erbes unseres Landes darstellen, sind wichtig und unabdingbar.

Die Bewertung von Archivgut, und dazu gehören auch alle Datenträger mit Bild- und Tonmaterial, ist eine schwierige und verantwortungsvolle Aufgabe der öffentlichen Hand. Sie allein garantiert eine sichere Aufbewahrung auf Dauer. Filmgut (soweit nicht als Sicherheitsverfilmung von Akten verwendet) gehört zu den ergänzenden Sammlungen der öffentlichen Archive und ist damit auch öffentliches Archivgut.

Die finanziellen Ressourcen für die Unterbringung, archivtechnische Bearbeitung, Erschließung und Bereitstellung müssen entsprechend im Haushalt eingestellt werden. Der Bilddatenträger hat im Unterschied zum Aktenstück eine weitere Qualität, die bei der Bewertung berücksichtigt werden muss. Abgesehen von dem Dokumentations- und Informationswert sowie dem Charakter des Unikats kann es sich um ein Kunstwerk handeln. Schnittmaterial, Licht-, Tonspur- und Mixbänder solcher Daten müssen auf Dauer gesichert werden.

Die gesammelten Exponate müssen für Zwecke der Wissenschaft und der Bildung nutzbar sein und der interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. Erhaltung ohne die Möglichkeit des Anschauens ist sinnlos. Ein Filmarchiv sollte seine Bestände der Öffentlichkeit zugänglich machen. Zu modernen Filmarchiven gehört eine Kinemathek dazu.

Viele Roll- und Videofilme in heute nicht mehr gebräuchlichen Formaten machen es erforderlich, auch die entsprechenden Abspielgeräte mit zu archivieren. Denn die Präsentation von Originalmaterial erfordert besondere Geräte und ein spezielles Handhabungswissen. Nach der Überspielung auf moderne Trägermaterialien ist zwar die Vorführung technisch meist problemlos, aber es bleibt auch dann in jedem Falle zu berücksichtigen, dass die Filme historisch, also in einer bestimmten Zeit, entstanden sind. Es ist daher notwendig, diese, wie andere Quellen auch, in ihren Entstehungs- und Wirkzusammenhang zu stellen, ferner deren Bild- und Sprachaussagen vor diesem Hintergrund zu bewerten. So muss der rasanten Entwicklung der Aufnahme- und Wiedergabetechnik Rechnung getragen werden. So gibt es Filmformate von 70 mm bis Normal- und Super 8, CD-ROM- Aufnahmen, nicht mehr verwendete Videosysteme einschließlich Tonband, audiovisuelle Medien wie DVD oder Internetpräsentationen.

Die unterschiedlichen Datenträger haben alle eine unterschiedliche Haltbarkeit:

• Der chemische Film hält bei kühler Lagerung ca. 100 Jahre, die Bilder bleichen
  allerdings aus. Filmmaterial aus Acetylzellulose, wie es seit Ende der 1920er Jahre 
  verwendet wird, ist bei unsachgemäßer Lagerung dem Verfall preisgegeben.
• Magnetbänder wie VHS, SVHS, Video 2000, Video-8, DV, HDV halten etwa 20 bis 25
  Jahre.
• CD, HD, DVD, VMD und Blu-ray haben eine Lebensdauer von bis zu 30 Jahren.
  Gesicherte Erfahrungsberichte liegen allerdings noch nicht vor.
• Gesicherte Festplatten haben eine Lebensdauer von ca. fünf Jahren.
• Speicherkarten wird eine Lebensdauer 10 bis 20 Jahren zugesprochen.
  Diese technischen Voraussetzungen machen die Dringlichkeit einer entsprechenden  
  Archivierung deutlich.

Ich frage die Regierung des Saarlandes

1.
Besteht aus Sicht der Landesregierung bei der Archivierung von Datenquellen mit bewegten Bildern auf unterschiedlichen Datenträgern und Tondatenträgern (des Weiteren als Filmarchivierung bezeichnet) und dessen Präsentation noch ein großer Nachholbedarf?

2.
Stimmt die Landesregierung zu, dass der Wert des Films als Teil des kulturellen Erbes mehr und mehr erkannt wird und entsprechende Anstrengungen unternommen werden müssen, um dieses dauerhaft zu sichern und zugänglich zu halten? Wenn ja, welche Maßnahmen wurden durch die Landesregierung bis jetzt schon eingeleitet und welche sind noch erforderlich? Wenn nein, was gedenkt die Landesregierung (bitte mit Zeitachse und Maßnahmenbeschreibung) zu tun? Welche Stelle in welchem Ministerium wäre für diese Aufgabe zuständig?

3.
Hat die Landesregierung eine Übersicht über die Situation der Archivierung von Filmmaterial im Saarland? Wenn ja, um welche Bestände handelt es sich, wer ist Träger des jeweiligen Archivs und sind diese für die Öffentlichkeit zugänglich?

4.
Sieht die Landesregierung die Notwendigkeit einer zentralen Datenbank über Filmmaterialien im Saarland, um einen zentralen Nachweis und eine zentrale Verwaltung der Filmdaten mit entsprechender Archivierung und Lagerung des Materials sicherzustellen? Wie steht die Landesregierung zur Einrichtung einer Filmdatenbank, die zunächst die (meist) von Vereinen und Privatpersonen (sogenannte „Amateurfilmer“) gemachten Filme des Saarlandes erfasst, erschließt und kopiert?

5.
Im Saarland existieren einige private und öffentliche „Filmarchive“, deren Bestände jedoch nicht zentral verzeichnet und archiviert sind. Auch ist zum größten Teil weder bekannt, ob sich bei kleineren Archiven oder bei privaten Sammlern noch Filmmaterial befinden könnte, das unter das Themengebiet Saarland fällt und von öffentlichem Interesse ist, noch in welchem Zustand sich dieses Material befindet. Sieht die Landesregierung einen öffentlichen Auftrag, diese Quellen zu erschließen und dauerhaft zu sichern?

6.
Wie steht die Landesregierung zu einem Arbeitskreis, der sich mit der systematischen Archivierung und systematischen Erfassung von Filmen beschäftigt? Besteht ein solcher Arbeitskreis schon? Wenn nein, gedenkt die Landesregierung einen solchen Arbeitskreis einzurichten? Welche Stelle in welchem Ministerium wäre für diese Aufgabe zuständig?

7.
Sieht die Landesregierung die Notwendigkeit, ein zentrales Archiv für Filme einzurichten, die im Saarland erstellt werden bzw. über alle Bereiche des Saarlandes berichten?

8.
Da im Saarland kein zentrales Archiv für „landeseigene“ Filmproduktionen oder Produktionen über das Saarland existiert, frage ich die Landesregierung, ob die im Saarland existierenden staatlichen, öffentlichen und privaten „Filmarchive“, deren Bestände nicht zentral verzeichnet und archiviert sind, erfasst und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden können?

9.
Wie steht die Landesregierung zu einem Digitalisierungsprojekt, das Filme als wichtigen Bestandteil der Kultur besser sichert, systematisch sammelt und professionell archiviert? Wie können aus Sicht der Landesregierung Filme als Dokument einer Epoche vor dem Verfall geschützt werden und der Nachwelt somit dauerhaft erhalten bleiben?