15. April 2013

Inanspruchnahme von privaten Nachhilfeangeboten im Saarland

Die Anzeigen der Geschäftsaufnahme von privaten Nachhilfeinstituten steigen seit Jahren kontinuierlich an. Zwischen 2000 und 2005 – in der Zeit des übereilten Ausbaus des achtjährigen Gymnasiums G8 im Saarland – ist die Zahl von 69 auf 91 angestiegen. Bis zum Jahr 2012 lagen Anzeigen von insgesamt 153 Einrichtungen vor. Ausweislich einer Bertelsmann-Studie aus dem Jahr 2010 nahm das Saarland einen traurigen Spitzenplatz bei den Ausgaben für Nachhilfe pro Schülerin und Schüler ein. Bildung ist eine öffentliche Aufgabe. Die Analyse der Ursachen der Inanspruchnahme privater Nachhilfe müsste die Landesregierung mit großem Interesse verfolgen.

Ich frage daher die Regierung des Saarlandes:

1.
Wie viele private Nachhilfeeinrichtungen sind aktuell im Saarland angezeigt?

2.
Wie hat sich die Zahl der Anzeigen privater Nachhilfeeinrichtungen seit dem Jahr 2000 im Saarland entwickelt (Angaben bitte nach Anzeigen pro Jahr)? Wie viele Geschäftsaufgaben wurden der Landesregierung in diesem Zeitpunkt bekannt?

3.
Hat die Landesregierung durch Anfragen bei den bislang angezeigten privaten Einrichtungen im Saarland überprüft, wie viele der gelisteten Einrichtungen einen Geschäftsbetrieb momentan nicht mehr aufrechterhalten um belastbare quantitative Erkenntnisse über die aktuelle Marktsituation zu gewinnen? Wenn nein, warum nicht und besteht die Absicht einer Überprüfung?

4.
Welche Kenntnisse hat die Landesregierung über den aktuellen Umfang des erteilten Privatunterrichts an weniger als sechs Personen unter 18 Jahren im Saarland und dessen Entwicklung seit dem Jahr 2000?

5.
Hat die Landesregierung Erkenntnisse über die Inanspruchnahme privater Nachhilfeangebote in Bezug auf einzelne Schularten und die jeweilige Entwicklung?

6.
Liegen der Landesregierung Informationen darüber vor, in welchem Umfang auf der Grundlage des Bildungs- und Teilhabepakets im Saarland private Nachhilfe in Anspruch genommen wird? Wenn nein, beabsichtigt Landesregierung bei den Trägern des Bildungs- und Teilhabepakets entsprechende Informationen abzufragen? Wenn nein, warum nicht?

7.
Besteht seitens der Landesregierung die Absicht, den Gesamtstundenumfang
der von privaten Nachhilfeangeboten pro Jahr erbrachten Nachhilfe sowie die
Anzahl der beschulten Personen zu erfragen? Wenn nein, warum nicht?

8.
Welche Kenntnisse liegen der Landesregierung über die Preise für private Nachhilfestunden
und die Preisentwicklung in den letzten Jahren vor?

9.
Hat die Landesregierung Kenntnisse in Bezug auf die Erfolgsquoten privater
Nachhilfeangebote? Welche Möglichkeiten der Festlegung von Qualitätsstandards
bestünden aus der Sicht der Landesregierung?

10.
Wäre es aus Sicht der Landesregierung geboten, das Privatschulgesetz dahingehend
zu ändern, dass auch die Aufgabe des Geschäftsbetriebs privater Nachhilfeangebote
der Schulaufsichtsbehörde anzuzeigen ist sowie der Umfang der
Unterrichtserteilung (Anzahl der Personen, Stunden gesamt pro Jahr) mitgeteilt
werden muss? Wenn nein, warum nicht?

11.
Sieht die Landesregierung einen Einfluss der Klassengröße in den Schulen auf
die Inanspruchnahme von privaten Nachhilfeangeboten? Wenn nein, warum
nicht?

12.
Sieht die Landesregierung einen Zusammenhang zwischen G8 und Inanspruchnahme
von privater Nachhilfe? Wenn nein, warum nicht?

13.
Wie beurteilt die Landesregierung den Einfluss des saarländischen Bildungssystems
auf den privaten Nachhilfebedarf der saarländischen Schülerinnen und
Schüler? Welche Auswirkungen erwartet die Landesregierung künftig?

14.
Wie steht die Landesregierung zu der Einschätzung, die entgeltliche Inanspruchnahme
privater Nachhilfeangebote berge die Gefahr einer Zweiklassen-Bildung?

15.
Wie beurteilt die Landesregierung die Auffassung, eine große Zahl privater
Nachhilfeangebote sei ein Indiz für bildungspolitisches Versagen?

16.
Welche Förderungen bieten die allgemeinbildenden Schulen im Saarland derzeit
an, die als (kostengünstigere) Alternative zu der über den freien Markt bezogenen
Nachhilfe gelten können? Welche Fördermöglichkeiten bestünden darüber
hinaus?

17.
Welchen Handlungsbedarf sieht die Landesregierung, die Inanspruchnahme
privater Nachhilfeangebote zu reduzieren und die individuelle Förderung der
Schülerinnen und Schüler stattdessen entgeltfrei in der Schule zu verbessern?