4. März 2015

Werbung und versponserte Unterrichtsmaterialien an saarländischen Schulen


Organisationen wie „LobbyControl“ und Foodwatch warnen vor einer Zunahme von Werbung und als Unterrichtsmaterialien getarnter Werbung privater Unternehmen an deutschen Schulen.

So gibt das unternehmernahe „Institut der deutschen Wirtschaft“ etwa die Unterrichtseinheit “Notwendigkeit der Altersvorsorge” heraus. Ein Gutachten der für Lehrerausbildung zuständigen "School of Civic Education" der Universität Duisburg-Essen hat diese Unterrichtseinheit untersucht und kommt zu dem Schluss: „Die Darstellung der ökonomischen Zusammenhänge und der wirtschaftspolitischen Debatte ist als grob einseitig zu bezeichnen. Die (Teil‐)Privatisierung des Rentensystems wird als alternativlos dargestellt. Eine ausgewogene Auseinandersetzung mit wirtschaftswissenschaftlichen Kontroversen und verschiedenen rentenpolitischen Reformoptionen findet nicht statt. Wenn im Unterricht zum Thema Altersvorsorge lediglich die vorliegende Unter-richtsreihe eingesetzt würde, bestünde die Gefahr, dass eine Überwältigung der Schülerinnen und Schüler zu einer einseitigen Sichtweise des Rentensystems stattfindet.“

Ein anderes Beispiel ist der Verein „Geldlehrer“, der kostenlosen „Geldunterricht“ in Schulen anbietet. Dieser Verein wird gefördert von privaten Finanzdienstleistern wie der „Deutschen Finance Consulting“ in München und dem „Verbund Deutscher Honor-arberater“. Nach eigenen Angaben hat der Verein bundesweit bereits 92 Kooperationsverträge mit Schulen abgeschlossen und 102 Schulklassen unterrichtet. Auch im Saarland hat er inzwischen einen „Geldlehrer“ ausgebildet.

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen kommt in einer Analyse zu dem Ergebnis, dass sich Unterrichtsmaterialien, die von Unternehmen herausgegeben werden, „überproportional oft durch interessengeleitete oder einseitige Informationen“ auszeichnen. „Über die Materialien wird versucht, bestimmte Branchen in einem guten Licht darzustellen, Kritikpunkte zu verschweigen oder einfach Produktwerbung zu machen.“

Ich frage daher die Regierung des Saarlandes:

1.
Hat die Landesregierung Informationen darüber, an wie vielen Schulen in den vergangenen zwei Jahren welche Unterrichtsmaterialien eingesetzt werden, die von privaten Unternehmen herausgegeben worden sind? (Wenn ja: bitte auflisten)

2.
Hat die Landesregierung Informationen darüber, an wie vielen Schulen in den vergangenen zwei Jahren Vertreter privater Unternehmen zur Unterrichtsgestaltung eingeladen worden sind? (Wenn ja: bitte auflisten)

3.
Wie steht die Landesregierung grundsätzlich zu Unterrichtsmaterialien privater Unternehmen und Interessensgruppen?

4.
Was unternimmt die Landesregierung, um eine ausgewogene, unabhängige und nicht interessengsteuerte Information der Schülerinnen und Schüler zu gewährleisten?