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25. September 2015

Darstellung der Griechenland-Krise und dabei verwendete Unterrichtsmaterialien an saarländischen Schulen

Die Studie „Griechenland unterrichten“ der Universität Duisburg-Essen kommt zu dem Ergebnis, dass die Darstellung der Ursachen, Auswirkungen und Lösungsmöglichkeiten der Griechenland-Krise in den Schulen bundesweit oft sehr einseitig geschieht. Da es bei einem derart aktuellen Thema kaum passende Schulbücher gibt, müssen die Lehrerinnen und Lehrer zur Behandlung dieses Themas zu einem Großteil
auf Print- und Onlinemedien sowie Unterrichtsmaterialien von Verbänden, Stiftungen und anderen Organisationen zurückgreifen. Bei diesen Materialien handelt es sich oftmals aber um sehr einseitige Darstellungen. Nicht immer ist gleich erkennbar, dass diese von Lobbyorganisationen herausgegeben werden. Die Studie nennt als Beispiel die Internet-Plattform „Wirtschaft und Schule“, auf der sich Lehrerinnen und Lehrer Unterrichtsmaterialien herunterladen können und die vom Institut der deutschen
Wirtschaft in Köln betrieben wird. In diesen Materialien wird etwa einseitig die Lohnentwicklung in Griechenland für die Krise verantwortlich gemacht, andere Faktoren, wie etwa der deutsche Exportüberschuss, werden dagegen nicht erwähnt. („Als der wirtschaftliche Aufschwung wieder abflaute, begingen die Griechen den Fehler, die Löhne weiterhin steigen zu lassen.“). Die Landesregierung hat auf Anfrage der Linksfraktion im Februar erklärt: „Welche Materialien – insbesondere im Sinne von
Schulbüchern und sonstigen Arbeitsmaterialien, die Schulbücher ergänzen oder ersetzen – Lehrkräfte im Unterricht verwenden, um die durch Lehrpläne und sonstige Vorgaben definierten schulischen Ziele zu erreichen, liegt in der Verantwortung der Schulen … Statistiken und sonstige Informationen zu der hier genannten Problematik werden nicht erhoben.“

Ich frage daher die Regierung des Saarlandes:

1.
Was unternimmt die Landesregierung, um eine ausgewogene, unabhängige und nicht interessengesteuerte Information der Schülerinnen und Schüler über die Griechenland-Krise zu gewährleisten?

2.
Wie stellt die Landesregierung sicher, dass „was in Wissenschaft und Politik kontrovers ist, auch im Unterricht kontrovers erscheint“, wie es im „Beutelsbacher Konsens“ vereinbart ist, der die theoretischen Grundlagen der politischen Bildung regelt?

3.
Liegen der Landesregierung Rückmeldungen oder Beschwerden von Schülerinnen, Schülern und Eltern zum Umgang mit der Griechenland-Krise im Unterricht oder dem Einsatz von Unterrichtsmaterialien vor, die von Interessensvertretungen herausgegeben werden?

4.
Wie steht die Landesregierung zu den Ergebnissen der Studie „Griechenland unterrichten“ der Universität Duisburg-Essen und welche Konsequenzen zieht sie daraus?

5.
Wie steht die Landesregierung zur Einrichtung einer öffentlichen Monitoringstelle für Unterrichtsmaterial, wie sie beispielsweise „Lobbycontrol“ fordert? Diese Monitoringstelle sollte den kritischen Umgang mit Materialien fördern, an sie könnten sich Lehrerinnen und Lehrer wenden, um auffälliges Material zu melden
oder zeitnah überprüfen zu lassen.