Zur Zeit wird gefiltert nach: Barbara Spaniol

23. September 2015

Digitalisierung des Radios


Vorbemerkungen:

In Deutschland wird die Abschaltung der UKW-Hörfunkwellen und die Umstellung auf das digitale DAB+ vorbereitet. Das Deutschlandradio setzt dabei auf eine UKW-Abschaltung im Jahr 2025. Noch ist aber unklar, ob es einen verbindlichen Abschalt-Termin geben wird, wie die Umstellung vonstattengehen soll und welche Auswirkungen dies für Verbraucher und Sender haben wird. Denn nach wie vor ist die Radio-Verbreitung über ÜKW die mit Abstand am meisten genutzte Empfangsart für Radioprogramme in Deutschland. Laut Digitalisierungebericht 2014 der Medienanstalten nutzen rund 94 Prozent der Deutschen ab 14 Jahren analoges Radio, rund ein  Drittel nutzt zumindest auch Internetradio. Digitalradio erreicht dagegen nur knapp acht Prozent der Deutschen. Über 95 Prozent der Empfangsgeräte sind analog, nur 3,3 Prozent der Haushalte verfügen über einen DAB-Empfänger. Auch in Autos In Autos gehört DAB+ selten zur Serienausstattung. Vor diesem Hintergrund ist es verständlich, dass die Industrie auf eine UKW-Abschaltung drängt, denn durch die Umstellung kann sie viele neue Geräte verkaufen. Weil die Sendernetze für DAB+ noch nicht vollständig ausgebaut sind, gibt es zudem vor allem in ländlichen Gebieten Versorgungslücken. Eine Umstellung ist auch für die Radiosender mit erheblichen Kosten verbunden, die vor allem kleinere Sender kaum leisten können, wie der Direktor britischen Regulierungsbehörde OFCOM, Peter Davies, bestätigt: „DAB ist für nationale und regionale Radiostationen erfolgreich, aber diese Technologie ist für kleine Stationen zu teuer und nicht flexibel genug."

 

Ich frage daher die Landesregierung:

 

1.    Wie steht die Landesregierung zu einem festen UKW-Abschalttermin?

2.    Ab wann könnte aus Sicht der Landesregierung die Umstellung auf Digital-Radio im Saarland so
    weit gediehen sein, dass die UKW-Frequenzen abgeschaltet werden könnten?

3.    Wie kann aus Sicht der Landesregierung der Erhalt der Vielfalt der Radiosender und –Programme
     im Land nach einer UKW-Abschaltung sichergestellt werden?

4.    Wie viele Saarländer werden im Zuge der Digitalisierung des Hörfunks wie viele neue DAB-Geräte
     anschaffen müssen und wie teuer wird dies für die Verbraucher im Schnitt?

5.    Wie teuer wird die Umstellung für die Radiosender im Saarland?

6.    Wie fördert das Saarland die Digitalisierung der Radioprogramme?

7.    Was spricht aus Sicht der Landesregierung gegen eine Weiterführung des UKW-Empfangs, der
     immerhin von 94 Prozent der Deutschen genutzt wird?

 

Der Mittelwellensender Heusweiler wird bis zum Jahresende abgeschaltet.

Damit entfällt für viele — vornehmlich ältere — saarländische Mitbürgerinnen und Mitbürger die Möglichkeit, Landtagsdebatten über „Antenne Saar“ live mitverfolgen zu können, da sie aus vielfältigen Gründen nicht über einen moderneren Medienzugang verfügen.

8.    Wie soll dieses Informationsdefizit in denjenigen Regionen, in denen „Antenne Saar“ nicht über
    UKW empfangbar ist, künftig kompensiert werden?

9.    Die gleiche Situation trifft die Hörer des ebenfalls gebührenfinanzierten deutschlandweiten
    Senders „Deutschlandfunk“, der bisher saarlandweit auf Mittelwelle (1422 kHz) in guter Qualität zu
    empfangen ist. Wie soll nach Ansicht der Regierung dieses wegfallende Hörfunkangebot
    kompensiert werden?

Welche Chancen sieht die Landesregierung — ggf. in Zusammenarbeit mit dem saarländischen Rundfunk — für einen Weiterbetrieb des Mittelwellensenders Heusweiler über den Jahreswechsel 2015/2016 hinweg, um die mit der Mittelwelles-Senderabschaltung vergleichsweise besonders einschneidend betroffene saarländische Bevölkerung zu verschonen?