13. Mai 2015

Wahlfreiheit zwischen G8 und G9 an der Schulform Gymnasium prüfen


Gemeinsamer Antrag der DIE LINKE.-Landtagsfraktion und der PIRATEN-Landtagsfraktion

Der Landtag wolle beschließen:

Der Landtag des Saarlandes fordert die Landesregierung auf,

im Dialog mit allen Beteiligten die Einführung einer Wahlmöglichkeit der Eltern sowie der Schülerinnen und Schüler zwischen einem Abitur nach 12 oder 13 Schuljahren an der Schulform Gymnasium zu prüfen.

B e g r ü n d u n g :

Nachdem seit Beginn des vergangenen Jahrzehnts in nahezu allen Bundesländern eine Verkürzung der Schulzeit am Gymnasium von neun (G9) auf acht Jahre (G8) stattfand, hat sich die Diskussion über die Sinnhaftigkeit dieser Reform in der jüngeren Vergangenheit bundesweit wieder intensiviert. Aufgrund anhaltender Kritik wurde bereits in einigen Bundesländern wie beispielsweise Hessen, Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein oder Nordrhein-Westfalen die Möglichkeit der Rückkehr zu G9 - in der Regel für einzelne Schulen - eröffnet. Niedersachen wird sogar mit dem Schuljahr 2015/2016 flächendeckend zu G9 (mit einer Option auf G8) zurückkehren. In Rheinland-Pfalz wurde seinerzeit - entgegen dem bundesweiten Trend - G8 in einem Modellversuch ohnehin nur an 19 von insgesamt 130 Gymnasien im Ganztagsmodell eingeführt. Zudem sind derzeit in mehreren Bundesländern, so auch im Saarland, Elterninitiativen gegen G8 aktiv. Am 12. Mai 2015 wurden dem hiesigen Landtag seitens der Elterninitiative „G9-jetzt-Saarland“ mehr als 6.000 Unterstützungsunterschriften für eine Volksinitiative übergeben.

Zu Recht wird in Bezug auf G8 moniert, dass viele Schülerinnen und Schüler unter verstärktem Leistungs- und Zeitdruck leiden, der zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen kann. Die verkürzte Schulzeit hat Qualitätsverluste in der Bildung bewirkt und treibt Kinder und Jugendliche oftmals in die private, kostenpflichtige Nachhilfe. Die Einführung von G8 war offenbar eine Forderung der Wirtschaft nach jüngeren Arbeitskräften und viele Verantwortliche in der Politik haben sich beteiligt, unter anderem um Kosten zu sparen. Die von der Wirtschaft erhofften Effekte sind allerdings ausgeblieben, was beispielsweise Professor Christian Scholz vom Lehrstuhl für Betriebswirt-schaftslehre an der Universität des Saarlandes feststellt.

Vor diesem Hintergrund erscheint es geboten, die Einführung einer Wahlmöglichkeit zwischen G8 und G9 am Gymnasium zu prüfen.

Quelle: http://www.linksfraktion-saarland.de/politik/meldungen/detail/artikel/wahlfreiheit-zwischen-g8-und-g9-an-der-schulform-gymnasium-pruefen/