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17. Dezember 2019

Astrid Schramm: „Sonderermittler“ hat nicht sonderlich viel neues ermittelt – viele Fragen bei Missbrauchs-Skandal an der Uniklinik bleiben offen

„Es ist schon sehr ernüchternd, dass der von der Landesregierung im Juli mit viel Trara installierte ‚Sonderermittler‘ nach fünf Monaten nicht sehr viel mehr über die Missbrauchsfälle und den Umgang damit am Uniklinikum Homburg sagen kann, als wir längst aus den Medien kennen. Und es spricht für sich, dass sich sein Auftrag offenbar ausschließlich auf die Uniklinik beschränkt, während der Umgang anderer Behörden und der Landesregierung mit den Fällen sowie die politische Verantwortung dafür außen vor bleiben.“ Mit diesen Worten reagiert Astrid Schramm, die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linksfraktion im Saarländischen Landtag, auf die heutige Sitzung des Untersuchungsausschusses, bei der der „Sonderermittler“ der Landesregierung, Schnur, ausgesagt hat. „Die heutige Aussage zeigt, wie wichtig dieser Untersuchungsausschuss ist, denn nur er wird die politische Verantwortung und die Frage beleuchten, warum die betroffenen Kinder und ihre Familien nicht umgehend informiert worden sind“, so Schramm weiter. „Was sich heute durch die Aussage Schnurs bestätigt hat, ist, dass es sehr frühzeitig an der Uniklinik Hinweise auf und Kritik am distanzlosen Umgang des Assistenzarztes S. gegenüber Kindern gab. Das macht es noch viel unverständlicher, dass nicht direkt eingeschritten wurde, sondern stattdessen noch vorzügliche Zeugnisse ausgestellt wurden, die den tadellosen Umgang des Assistenzarztes mit den kindlichen Patienten lobten. Herr Schnur hat außerdem bestätigt, dass das neue Gutachten keineswegs zur Entlastung der Uniklinik taugt, da dort nur Patientenakten ausgewertet wurden – und dass ohne das Wissen und die Zustimmung der Betroffenen -, die teilweise unvollständig sein sollen und selbst dieses Gutachten bestätigt einmal mehr, dass auffällig viele Untersuchungen im Genital- und Analbereich vorgenommen wurden, die medizinisch überhaupt nicht nötig waren. Wenn ein Arzt zur Befriedigung seiner sexuellen Lust immer wieder Behandlungen durchführt, die nicht notwendig sind, um einen Vorwand dafür zu haben, sie im Anal- und Genitalbereich anfassen zu können, ist das Missbrauch, da gibt es keinen Zweifel! Dass auch das Jugendamt nicht die Uniklinik informiert hat, als es auf einen Chat des Assistenzarztes mit einem Kind aufmerksam wurde, der eindeutig distanzlos und unangemessen war, zeigt, dass die Zusammenarbeit der Behörden hier überhaupt nicht funktioniert hat. Gerade bei Menschen, die täglich mit Kindern zu tun haben, muss man besonders sensibel sein und darf Hinweise nicht direkt herunterspielen. Denn hier muss der Schutz der möglichen künftigen Opfer im Vordergrund stehen.“

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